Kontext

Das für das Kindes- und Jugendalter charakteristische Spektrum an Krankheiten und gesundheitsrelevanten Störungen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gravierend verändert. Zum einen ist es zu einem Anstieg an psychischen und psychosomatischen Störungen gekommen (z.B. ADHS, Angststörungen, Verhaltensauffälligkeiten). Zum anderen geht die Abnahme von akuten Erkrankungen mit einer Zunahme chronischer Erkrankungen (wie Allergien, Asthma und Adipositas) einher. Man spricht von „neuer Morbidität“ oder „neuen Volkskrankheiten“, die die Entwicklung junger Menschen und ihre biografischen Dispositionen und Perspektiven maßgeblich berühren.

Die Mechanismen dieses epidemiologischen Umbruchs versteht man aber noch zu wenig, um ihm mit möglichst hohen prädiktiven und präventiven Effekten nachhaltig begegnen zu können. Vor diesem Hintergrund zielt das NIKI-Projekt darauf ab, Zusammenhänge und Gemeinsamkeiten zwischen häufigen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter zu untersuchen und daraus Strategien für Früherkennung und Diagnostik, Therapieentscheidung und –begleitung abzuleiten.

Im Fokus von NIKI stehen die Erkrankungen Adipositas, Aufmerksamkeits- /Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Allergien (insbesondere atopische Dermatitis und Asthma).

Hierfür maßgeblich ist, dass es sich bei diesen Erkrankungen um die häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter handelt: Laut KIGGS-Studie sind mindestens 25 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland von einer dieser Erkrankungen betroffen. Häufig werden aber auch Komorbiditäten bei diesen drei Erkrankungen beobachtet, d.h. Kinder weisen gleichzeitig zwei oder mehr dieser Erkrankungen auf.

Die drei Erkrankungen Adipositas, ADHS und Allergien sind außerdem repräsentativ für das veränderte Krankheitsspektrum im Kinder- und Jugendalter: Erstens sind sie – erst recht bei mehrfacher Betroffenheit und Wechselwirkung – mit erheblichen Beeinträchtigungen und Risiken für Lebensqualität und Gesundheit im weiteren Lebenslauf verbunden. Zweitens sind sie multifaktoriell bedingt, d. h. sie beruhen ebenso auf genetischen Dispositionen wie auf epigenetischen, metabolischen, psychosozialen, umweltbezogenen und sozioökonomischen Faktoren. Drittens weisen sie Assoziationen auf und beeinflussen sich offenbar in Hinblick auf den jeweiligen Verlauf.