LWL Klinikum Hamm

Die LWL-Universitätsklinik Hamm ist die größte universitäre Kinder- und Jugendpsychiatrie in Deutschland. Neben der LWL-Universitätsklinik für Psychiatrie in Bochum ist sie die zweite Hochschulklinik im LWL-Psychiatrie-Verbund. Sie behandelt Kinder und Jugendliche mit psychiatrischen Problemen, starken Verhaltensauffälligkeiten oder psychosomatischen Symptomen im Alter von fünf bis 18 Jahren.

Die Forschungsgruppe um Prof. Holtmann (ärztlicher Direktor der LWL-Klinik Hamm) und Prof. Legenbauer (Leitung Forschung und Testdiagnostik) widmet sich u.a. dem Grenzgebiet zwischen „ADHS plus“, Schlafstörungen und Adipositas und entwickelt innovative therapeutische Ansätze für diesen Symptomkomplex. Prof. Holtmann leitet aktuell eine DFG-geförderte Multicenterstudie zu Neurofeedback bei ADHS  und eine Pilotstudie zu Effekten von Lichttherapie auf die Schlafregulation bei Jugendlichen; seine Arbeitsgruppe gilt als deutschlandweit federführend bei der Erforschung der „ADHS plus“.

Prof. Holtmann ist Mitglied der European ADHD Guidelines Group. Prof. Dr. Legenbauer hat breite wissenschaftliche und klinische Erfah­rung im Bereich der Gewichtsregulation und Essstörungen; neben einschlägigen Originalarbeiten hat sie maßgebliche Therapiemanuale zur Behandlung von Essstörungen publiziert. Sie ist assoziiertes Mitglied des Adipositaskompetenznetzwerk und war Projektleiterin der BMBF-geförderte Langzeitanamnesestudie zur Behandlung von Adipositas.

Die Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen:

  1. Neurofeedback: Neurofeedback ist ein verhaltenstherapeutisch fundiertes Verfahren, das über eine gelernte Modifikation von Hirnströmen die Verbesserung insbesondere der Selbstregulations-, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit bei ADHS anstrebt. Grundlage für den Einsatz von Neurofeedback ist das Wissen um Veränderungen der Hirnströme bei ADHS, da ADHS-Patienten im Elektroenzephalogramm (EEG) Veränderungen im Vergleich zu gesunden Kindern aufweisen. Insbesondere eine vermehrt langsame Hirnaktivität wird bei Kindern mit ADHS beschrieben.
  2. Emotionsregulation: Die sogenannte „Affektive Dysregulation“ tritt in Form von veränderter Stimmung (Ärger und Traurigkeit), erhöhter Erregbarkeit  (z. B. in Form von Schlafstörungen, leichter Ablenkbarkeit oder innerer Unruhe) auf. Wutanfälle, Reizbarkeit, verbale oder körperliche Aggressivität treten bei verschiedenen psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter auf. Allerdings können Kinder und Jugendliche, welche diesen Symptomkomplex aufweisen, nicht anhand der gängigen Klassifikationssysteme diagnostiziert werden.
  3. Früherkennung: Die Prävalenz psychischer Störungen im Kindes- und Jugendalter hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Je nach Altersbereich liegen Prävalenzraten psychischer Störungen zwischen 15 Prozent und und 25 Prozent. Es ist davon auszugehen, dass ca. 2 Mio. Kinder im Alter bis 15 Jahren in Deutschland von einer psychischen Störung betroffen sind. Am häufigsten werden Störungen des Sozialverhaltens (10 Prozent) neben Ängsten (7,6 Prozent) und Depressionen (5,6 Prozent) berichtet. Auffällig ist, dass ca. 65 Prozent der Eltern keine Probleme angeben und fast 80 Prozent der Eltern ihre Kinder als gesund einstufen. Allerdings muss ca. jede fünfte Familie mit einem Kind umgehen, das klinisch relevante psychische Störungen aufweist.

LWL Universitätsklinik Hamm der Ruhr-Universität Bochum
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im LWL-Psychiatrieverbund Westfalen
Heithofer Allee 64
59071 Hamm
www.lwl-jugendpsychiatrie-hamm.de

Prof Dr. Dr. Martin Holtmann
Tel. + 49 (0) 2381 / 893-5054
martin.holtmann@wkp-lwl.org

Prof. Dr. Tanja Legenbauer
Tel. +49 (0) 2381 / 893-5053
tanja.legenbauer@wkp-lwl.org

Ansprechpartnerin NIKI-Projekt: Natalie Deux
Natalie.deux@rub.de

Projekte mit NIKI-Bezug

Forschungsnetz zu psychischen Erkrankungen – Verbund ESCAlife

Evidence-based, Stepped Care of ADHD along the life-span (ESCA-life) ist ein vom BMBF geförderter Forschungsverbund mit neun universitären kinderpsychiatrischen und erwachsenenpsychiatrischen Zentren (Bochum, Köln, Freiburg, Mannheim, Marburg, Rostock, Saarland, Tübingen und Würzburg). Der Verbundkoordinator ist Prof. Tobias Banaschweski, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters am ZI Mannheim. Das Projekt hat folgende Ziele:

Entwicklung von Behandlungsansätzen für ADHS über die Lebensspanne, um passgenaue Angebote für verschiedene Altersstufen anbieten zu können.
Etablierung eines Therapie-Algorithmus, der von der frühzeitigen Prävention und niedrigschwelligen Interventionen bis hin zum umfangreichen multimodalen Behandlungskonzept reicht und damit das gesamte klinische Spektrum der ADHS und begleitender Störungen berücksichtigt.
Entwicklung einer stufenförmigen Verbesserung der Therapiewirkung (stepped care) und Überprüfung der Effizienz.
Anpassung des Therapieangebotes hinsichtlich Intensität und Dauer je nach Verlauf und individueller Beeinträchtigung des Betroffenen.

Interessierte Eltern können sich an die LWL-Universitätsklinik Hamm wenden. Ansprechpartner ist das Forschungssekretariat der Klinik
daniela.pingel@wkp-lwl.org

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