Vestische Kinder- und Jugendklinik Datteln

Die Abteilung für Pädiatrische Endokrinologie, Diabetologie und Ernährungsmedizin in der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln betreut jährlich überwiegend ambulant etwa 6000 Kinder und Jugendliche mit Störungen der hormonproduzierenden Drüsen und ernährungsmedizinischen Krankheitsbildern. Schwerpunkte sind Wachstums- und Pubertätsstörungen, Diabetes mellitus und Adipositas. Kinder und Jugendliche mit diesen Erkrankungen benötigen häufig eine langfristige Therapie und wollen – trotz ihrer chronischen Krankheit – ihr Leben so unbeschwert wie möglich gestalten.

Das therapeutische Konzept der Abteilung ist deshalb nach ganzheitlichen Gesichtspunkten ausgerichtet. Das Team ist multidisziplinär aufgestellt mit Kinderendokrinologen, Kinderdiabetologen, Psychologen, Diätassistenten, Oecothrophologen, Diabetesberatern, Sporttherapeuten, Motopäden, Sozialarbeitern und Kinderkrankenschwestern. Alle modernen diagnostischen und therapeutischen Voraussetzungen wie kindgerechte Sonographie, Röntgen und Kernspintomographie, ein kinderspezifisches Hormonlabor und z.B. Insulinpumpen und kontinuierliche Blutzuckermessgeräte sind am Standort vorhanden. So können die Patienten und ihre Familien nicht nur medizinisch versorgt, sondern auch bei allgemeinen Fragen zu Gesundheit, Erziehung und der Lebensqualität beraten und unterstützt werden.

In Kooperation mit dem Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund entwickelte die Arbeitsgruppe um Chefarzt Prof. Reinehr das Schulungsprogramm „Obeldicks“ für übergewichtige Kinder, Jugendliche und deren Eltern. Aus der intensiven Evaluation des Projekts ist ein wissenschaftlicher Schwerpunkt der Vestischen Kinder- und Jugendklinik an der Universität Witten/Herdecke hervorgegangen. In Kooperationen mit national und international renommierten Wissenschaftlern wird die Aufklärung der Mechanismen der Körpergewichtsregulationen durch eine Vernetzung von biologisch orientierten Grundlagen und klinischer Forschung vorangetrieben.

Diese Erkenntnisse helfen therapeutische und präventive Konzepte immer weiter zu entwickeln. Entsprechend dem integrativen Forschungsansatz werden genetische Prädispositionen, energetische entwicklungs- und verhaltensbiologische Mechanismen und ihre zentrale nervöse bzw. endokrine Steuerung analysiert. Diese Forschungsaktivitäten werden unter anderem von der Europäischen Union, dem Bundesgesundheitsministerium, der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Bundesforschungsministerium finanziert.

Vestische Kinder- und Jugendklinik Datteln
Klinik der Universität Witten/Herdecke

Dr.-Friedrich-Steiner-Str. 5
45711 Datteln
www.kinderklinik-datteln.de

Prof. Dr. med. Thomas Reinehr
t.reinehr@kinderklinik-datteln.de
Tel. +49 (0) 2363 / 975-229

Ansprechpartner NIKI-Projekt: Dipl.-Psych. Christian Langrock
Tel. +49 (0) 2363 / 975-357
c.langrock@kinderklinik-datteln.de

Projekte mit NIKI-Bezug

Obeldicks

Übergewicht ist die häufigste ernährungsbedingte Krankheit bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland − mit allen negativen Begleiterscheinungen für Knochen und Gelenke, Herz-Kreislauf-System und den Stoffwechsel. Zur Therapie von ernährungsbedingtem Übergewicht hat die Abteilung für Ernährungsmedizin (LINK) an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln das Schulungsprogramm „Obeldicks“ entwickelt.

Ziel von Obeldicks ist nicht nur eine Gewichtsreduktion, sondern auch die Vorbeugung von Folgeerkrankungen des Übergewichtes, vor allem aber eine Verbesserung der Lebensqualität der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen. Die Schulung beruht auf den drei Säulen Ernährungstherapie, Bewegungstherapie und Verhaltenstherapie. Das Obeldicks-Team besteht aus Kinder- und Jugendärzten, Psychologen, Oecotrophologen (Ernährungswissenschaftlern) und Motopäden (speziellen Bewegungstherapeuten). Ein Schwerpunkt des Programms ist auch die intensive Elterneinbindung. Dieses Projekt ist mit mehr als 10 nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Gesundheitspreises des Landes Nordrhein-Westfalen und dem Zukunftspreis der Ersatzkrankenkassen im Bereich Prävention.

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Kompetenznetz Adipositas

Das Kompetenznetz Adipositas verbindet bundesweit Experten im Bereich Adipositas. Im Netzwerk organisierte Verbünde erforschen Ursachen und Risikofaktoren für die Entstehung der Adipositas und entwickeln und überprüfen neue Therapien sowie Präventionsstrategien.

Das Kompetenznetz stellt fundierte und verständliche Informationen für Ärzte, Verbände, Medien und Betroffene bereit. Damit sorgt das Netzwerk für eine Vernetzung und Stärkung der Adipositasforschung in Deutschland, für einen verbesserten Wissenstransfer der medizinischen Forschung und am Ende für eine bessere Versorgung der Betroffenen.

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Medizinische und psychosoziale Folgen der extremen Adipositas bei Jugendlichen – Akzeptanz und Wirkung einer strukturierten Versorgung: Die JA-Studie

Jugendliche mit extremer Adipositas haben ein erhöhtes Risiko für eine frühe Mortalität, für zahlreiche somatische Folgeerkrankungen, psychische Erkrankungen und für eine soziale Isolation einschließlich Arbeitslosigkeit, die sich aufgrund funktioneller Beeinträchtigungen und Stigmatisierungen entwickelt.

Trotz dieser bekannten Folgen der extremen Adipositas im Jugendalter und den häufigen erkennbaren (z.B. orthopädische Erkrankungen) und nicht erkennbaren (z.B. Hypertonie) Komorbiditäten sind diese Jugendliche medizinisch schwer zu erreichen und zu behandeln. Nur ein kleiner Prozentsatz der Patienten sucht aktiv nach einer Behandlung. Die Gründe hierfür sind unklar und liegen vermutlich in dem jungen Alter, einer überwiegend niedrigen Bildung und einem niedrigen Sozialstatus der Betroffenen sowie in funktionellen Beeinträchtigungen infolge eingeschränkter körperlicher Mobilität und psychischen Begleiterkrankungen.

Erfolglose Versuche, Gewicht abzunehmen, entweder alleine und/oder mit medizinischer Betreuung, könnten zudem zu Frustration geführt haben.

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LARGE-Verbund

Ziel des Verbund-Projektes LARGE ist es, primäre Einflussfaktoren und Mechanismen in der Ätiologie und Pathogenese der Adipositas im Kindesalter sowie deren Folgeerscheinungen zu identifizieren, um daraus evidenzbasierte Strategien für die Prävention und Intervention zu entwickeln. In einem wissenschaftlichen, multizentrischen, interdisziplinären Ansatz werden endogene (Fettgewebe, genetisch, perinatal) und exogene (Migrationshintergrund, psychosozial) Einflussfaktoren auf die Entwicklung der kindlichen Adipositas in unterschiedlichen Kohorten untersucht.

Der Ansatz basiert auf einer zentralen wissenschaftlichen Plattform und Datenbank, die auf Grundlage des existierenden APV-Kinder-Adipositas-Registers weiterentwickelt wird (APV-LARGE). In diese werden die identifizierten Einflussfaktoren integriert und longitudinal multizentrisch auf klinische Relevanz überprüft. Es sollen klinisch relevante Prädiktoren und Ansatzpunkte für die Entwicklung von Adipositas und eine erfolgreiche Intervention identifiziert werden. Auf Grundlage der Ergebnisse werden nationale Leitlinien für das Management für kindliche Adipositas (weiter)entwickelt.